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Henry T. Laurency

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Was die meisten nicht wissen
(Auszüge aus "Das Wissen um die Wirklichkeit")

Ein hervorragender Wissenschaftler unserer Zeit antwortete auf die Frage, ob es der Menschheit bereits gelungen sei, ein Prozent der Wirklichkeit zu erforschen: „Nein, nicht einmal ein zehntausendstel Prozent.“

Also nicht einmal ein Millionstel! Vor einem solchen Forscher bekommt man unleugbar Respekt. Keiner beeindruckt mehr als der, welcher die ungeheure Unwissenheit der Menschheit in bezug auf das Leben erkennt. Denn für alle, die verwertet haben, was uns Theologie, Philosophie und Wissenschaft über die Wirklichkeit erzählen, ist offensichtlich, daß die gezogenen Schlüsse reine Hypothesen sind (ein schönes Wort für Rätselraten und Vermutungen!). Oder, wie Professor Whittaker es ausgedrückt hat: „Wir wissen, daß es etwas gibt, was wir Materie nennen, wissen aber nicht, was das ist; wir wissen, daß sie sich bewegt, aber nicht warum sie es tut, und dies ist die Summe all unseres Wissens.“ Dies ist wahr. Die Wissenschaft kann die Fragen „was“ und „warum“ nicht beantworten, was bereits Newton erkannte. Um sich von den Beweisen für diese allzu beschämende Unwissenheit zu befreien, versuchen moderne Philosophen, alle Wirklichkeitsbegriffe auszumustern und bezeichnen gerade diese als Fiktionen!

Innerhalb der Theologie, der Philosophie und der Wissenschaft gibt es genug Autoritäten, welche über alles ein Urteil fällen und dogmatische Aussagen über Dinge machen, die sie nicht einmal untersucht haben. Sie wissen von vornherein, daß „dieses“ nicht wahr sein kann, denn es steht in Widerspruch zu dem, was sie in ihrem Papierpapst gelesen haben oder es „widerspricht den Naturgesetzen“. Als ob ihr Papierpapst für sie die Probleme des Daseins gelöst hätte, eine Weltanschauung zur Verfügung gestellt hätte, welche die Wirklichkeit erklären und die grundlegenden Erkenntnisprobleme lösen würde! Als ob die Wissenschaft entscheiden könnte, was „den Naturgesetzen zuwiderläuft“, wo sie doch nicht einmal ein Prozent von diesen erforscht hat!

Es ist wichtig, daß wir uns nicht auf das begrenzen, was erforscht worden ist, keine einzige Idee deshalb abweisen, weil sie uns fremd, unwahrscheinlich oder unnütz erscheint. Es ist wichtig, jede neue Erkenntnismöglichkeit zu untersuchen. Wir wissen zu wenig, um es uns leisten zu können, die geringste Aussicht auf Erweiterung unseres Wissens zu vernachlässigen. Alles Neue erscheint den meisten auf den ersten Blick urwahrscheinlich. Diejenigen, welche sich selbst Urteilsfähigkeit zuschreiben, nehmen nur das an, was in ihr eigenes Denksystem paßt. Sie sollten aber einsehen, daß sie, wenn dieses ihr Denksystem so korrekt wäre, nahezu allwissend sein würden.

Die Wissenschaftler scheinen ständig zu vergessen, daß ihre Hypothesen und Theorien nur vorläufige sind. Sie schmeicheln sich, frei von Dogmatismus zu sein, frei und richtig zu denken. Die Geschichte der Wissenschaft hat jedoch stets das Gegenteil bezeugt. Noch immer passiert es wissenschaftlichen Autoritäten allzu oft, das scheinbar Unwahrscheinliche, Fremde und Unbekannte (was jede umwälzende Idee gewesen ist) ohne Prüfung zu verwerfen. Das Unerforschte nennen die Wissenschaftler Betrug, die Religiösen nennen es Gott.

Etwas anscheinend Unverbesserliches, unausrottbar Idiotisches liegt in dieser Weigerung zu untersuchen.

Der wahre Sucher, welcher die völlige Orientierungslosigkeit und intellektuelle Hilflosigkeit der Menschheit den Problemen des Daseins gegenüber erkannt hat, untersucht alles, völlig unabhängig davon, ob die führenden Autoritäten es kategorisch abgelehnt haben oder die nachbetende öffentliche Meinung sich darüber lustig macht oder es verachtet, wie sie es mit allem macht, was sie nicht weiß oder nicht begreifen kann.

Es scheint ein hoffnungsloses Unternehmen zu sein, Uneingeweihten etwas ihnen völlig Unbekanntes zu erklären, besonders, wenn dieses ihnen fremd, unwahrscheinlich und unwirklich erscheint.

Die Menschheit ist so lange mit derart vielen religiösen, philosophischen, wissenschaftlichen und in den letzten Jahrzehnten auch okkulten Versuchen, das Dasein zu erklären, gefüttert worden, daß die meisten Leute sich weigern, das wirkliche Wissen zu studieren, wenn dieses angeboten wird. Sie sind damit zufrieden, nur die für sie sichtbare Welt zu erforschen. Ein allgemeiner Zweifel daran, daß es eine andere Wirklichkeit gibt, breitet sich immer mehr aus.

Aber angenommen, es gäbe ein Wissen um das Dasein, welches für die Gelehrten als Höhepunkt der Verrücktheit erschiene. Angenommen, der Philosoph Kant hätte sich geirrt, als er behauptete, daß wir niemals Wissen über die innere Wirklichkeit der Natur erlangen könnten. Angenommen, die indischen Rishis, die ägyptischen Hierophanten, die gnostischen Theurgen, die ursprünglichen, wahren Rosenkreuzer waren keine solchen Mystagogen, Scharlatane und Betrüger, zu welchen die Gelehrten sie zu machen versucht haben.

Für die Gelehrtenwelt von heute kennzeichnend ist die Verachtung für alles, was wir von den Vätern ererbt haben, als ob alle bis jetzt von der Menschheit gemachten Erfahrungen vernunftlos und lebensuntauglich wären.

Die wissenschaftliche Forschung ist innerhalb ihrer begrenzten Gebiete weit gekommen, aber nur die Elite unter den Wissenschaftlern beginnt zu ahnen, wie wenig die Menschheit über das Ganze weiß.

Was wissen die Paläontologen vom Alter der Menschheit, daß es seit 21 Millionen Jahren vollentwickelte Menschen auf unserem Planeten gibt?

Was wissen die Geologen von den beiden Kontinenten Lemurien und Atlantis, welche nun auf dem Boden des Stillen und des Atlantischen Ozeans liegen, und was wissen die Frühgeschichtler von der Zivilisation dieser Kontinente?

Was wissen die Archäologen von Kulturen, die uns zeitmäßig viel näher liegen als die erwähnten: Über die indische Kultur von vor etwa 50.000 Jahren, über die ägyptische von vor etwa 40.000 Jahren, über die peruanische von vor etwa 15.000 Jahren oder auch nur über die altgriechische von vor etwa 12.000 Jahren?

Was wissen die Gelehrten von den verschiedenen geheimen Wissensorden, die es in vielen Ländern gegeben hat? Was wissen sie über den Orden, welcher von Vyasa in Indien vor 45.000 Jahren gegründet wurde, oder über denjenigen, der von Hermes Trismegistos in Ägypten vor etwa 40.000 Jahren, über jenen, welcher vom ersten Zoroaster in Persien vor etwa 30.000 Jahren oder jenen, der von Pythagoras vor nur 2700 Jahren gegründet wurde?

Was wissen die Gelehrten vom Dasein, vom Bau des Universums, von anderen Materiearten und anderen Welten als der physischen, davon, daß es ein fünftes Naturreich gibt?

Was wissen diese ungeheuer Gelehrten auch nur über das Weiterleben des Individuums, nachdem es seinen abgenutzten Organismus verlassen hat?

Was sie vielleicht an diesbezüglichem Wissen aufschnappen konnten, ist so verdreht, daß es am ehesten als wilder Aberglaube betrachtet werden kann.

Aus der Sicht des Abendlandes bedeutet der Gedanke, daß Wissen geheimgehalten werden müsse, etwas beinahe Empörendes oder jedenfalls Abstoßendes und daher wird eher vermutet, daß man es hier mit „geistiger Quacksalberei von Scharlatanen“ zu tun habe.

Dagegen sehen die Inder ohne weiteres ein, daß dies notwendig ist. Sie haben jahrtausendelange Erfahrung damit, daß man nicht „Perlen vor die Säue werfen“ darf und sie tun es auch nicht.

Und dies aus den einfachen Gründen, daß für ein genaues Verständnis wesentliche Voraussetzungen notwendig sind, sowie daß jedes Wissen, welches Macht verleiht, von allen mißbraucht wird, welche imstande sind, Macht eigennützig zu gebrauchen.

In Indien gibt es viele Arten von Yogis. Die höchste Art ist niemandem außer besonders Eingeweihten bekannt. Die Yogis, welche die Abendländer kennenlernen, gehören in der Regel zur Ramakrishnamission. Sie lehren die Sankhya- und Vedantaphilosophie nach Ramakrishnas Anweisung. Die höchsten Yogis sind Eingeweihte und geben ihr Wissen nur an einige wenige auserwählte Schüler unter strengstem Gelübde des Schweigens weiter. Sie betrachten alle Abendländer als Barbaren und sehen es als eine Entweihung des Wissens an, etwas für diese unwissenden, unverbesserlich skeptischen, höhnisch und stolz überlegenen Neugierigen zu offenbaren, welche Wissen mißbrauchen, nachdem sie glauben, es verstanden zu haben und welche darüber hinaus ihr gesamtes Wissen in den Dienst der Barbarei und zur Verfügung von Gangstern stellen.

Die Einstellung der Inder zum Leben ist der der Abendländer genau entgegengesetzt. Während die physische Welt für den Abendländer die einzige ist, die es gibt, so ist die überphysische Wirklichkeit für den Inder die wesentliche. Es sind die feinstofflichen Welten, welche den materiellen Ursprung für physische Materie bilden, auch sind die Ursachen der Naturprozesse in diesen höheren Welten zu finden.

Der wirkliche Yogi, der mit seinen Experimenten Erfolg gehabt hat, hat Organe entwickelt, die bei anderen noch unentwickelt sind, die aber in der Zukunft organisiert und belebt werden sollen; Organe, welche die Erforschung höherer Molekülarten ermöglichen, einer Reihe von immer höheren Aggregatzuständen, weit jenseits der Möglichkeiten der Kernphysik.

Von diesen Anlagen haben die Abendländer keine Ahnung, und ihre gewaltigen Autoritäten lehnen mit Spott und Verachtung den Gedanken an derartige Möglichkeiten ab. Sie haben nämlich die große Fähigkeit, etwas zu beurteilen, wovon sie nichts wissen.

Die indische Welterklärung ist der des Abendlandes weit überlegen. Sie lehrt von der Entwicklung, vom Vor-Dasein der Seele, von der Wiedergeburt sowie vom Karma, dem Gesetz von Aussaat und Ernte. Sie behauptet, daß es andere Welten als die physische gibt und beweist dieses für ernste und aufrichtige Sucher, welche bereit sind, sich ihren Methoden zur Entwicklung der bei Menschen bestehenden Anlagen für höhere Arten von objektivem Bewußtsein zu unterziehen. Damit widerlegt sie das Verneinen überphysischen Wissens, der Gesetzlichkeit des Daseins, der Entwicklung etc. bei den Agnostikern und Skeptikern, und bahnt damit den Weg für die Esoterik.

Wie sollen die Abendländer denn auch etwas von überphysischen Welten wissen können, wenn ihnen die Fähigkeit fehlt, deren Bestehen festzustellen? Sie konstatieren Tatsachen in der physischen Materie mit Hilfe des physischen Verstandes (objektives physisches Bewußtsein). Um Tatsachen in höheren Welten feststellen zu können, ist die entsprechende Art von Verstand notwendig. Diesen höheren Arten des Verstandes hat man die mißlungene Bezeichnung Clairvoyance oder Hellsehen gegeben.

Man kann es den Wissenschaftlern nicht vorwerfen, daß es ihnen an emotionalem oder mentalem Verstand fehlt. Man kann aber mit Recht fordern, daß sie nicht das Bestehen von etwas blank verneinen sollten, worüber sich zu äußern ihnen jedes logische Recht fehlt.

Die Philosophie lehrt den Menschen nicht, in Übereinstimmung mit der Wirklichkeit zu denken. Dagegen lehrt sie, daß der Mensch nur Irrtümer begeht, wenn er ohne notwendige Tatsachen zu denken versucht. Das haben die Philosophen noch nicht begriffen. Diesen ist es übrigens mißlungen, das selbstverständlichste aller Erkenntnisprobleme zu lösen.

Die Beurteilung der Psychologie des Abendlandes wird am besten dem verstehenden Leser des Nachfolgenden überlassen.

Diejenigen, welche mit ihren Denksystemen zufrieden sind (nicht zuletzt die Skeptiker), mögen sie gerne haben. In neuen Leben dürfen wir alle aufs Neue lernen. Es gibt aber eine Gattung von Suchern, welche instinktiv ahnen, daß es etwas geben müsse, etwas mehr, daß es so, wie die Gelehrten sagen, nicht sein kann. Diese Sucher sind es, welche der Esoteriker erreichen will, nicht, um zu überreden, sondern zu bitten, die Sache logisch zu untersuchen. Ist sie fehlerhaft, muß sie logisch widerlegt werden können. Sie wird aber nicht widerlegt mit dem üblichen Gewäsch, welches immer von denen aufgetischt wird, welche die Sache nie untersucht haben.

Für die meisten kann das esoterische Wissen auf dem gegenwärtigen Entwicklungsstand der Menschheit nichts anderes als eine Arbeitshypothese sein. Je weiter sich aber die Menschheit entwickelt, desto mehr wird sich die unvergleichliche Überlegenheit dieser Hypothese erweisen.

Systeme sind die Art und Weise des Denkens, sich zurechtzufinden. Tatsachen sind im Großen und Ganzen gesehen wertlos, bevor die Vernunft sie in ihre richtigen Zusammenhänge (historische, logische, psychologische oder kausale) einfügen kann. Prinzipien und Systeme liegen allem vernünftigen Denken zugrunde. Jeder denkende Mensch hat sich Systeme gemacht, ob er es nun weiß oder nicht. Ein System gibt eine richtige Auffassung von Grund und Folge des Denkens, sowie von Ursache und Wirkung objektiver Erscheinungen. Die Beschaffenheit des Systems zeigt den Entwicklungsstand des Individuums, seine Urteilsfähigkeit und Sachkenntnis an. Die Systeme der meisten sind Glaubenssysteme des Gefühldenkens, welche keine Tatsachen erschüttern können. Damit hat das Individuum seinen Reifepunkt erreicht, die Grenze für seine Fähigkeit, entgegenzunehmen, und sitzt eingesperrt in seinem eigenen Gedankengefängnis.

So groß ist die Unwissenheit das Dasein betreffend, daß die Dogmensysteme der Theologie, die Spekulationssysteme der Philosophie und die primitiven Hypothesensysteme der Wissenschaft als zufriedenstellende Erklärungen angenommen werden konnten.

Sucher der Wahrheit untersuchen die Ausgangstatsachen oder Grundhypothesen der vorkommenden Systeme, die inneren Wiedersprüche des Systems, ihre Konsequenzen sowie ihre Möglichkeiten zu vernünftigen Erklärungen.

Es gibt Viele, welche bereits beim ersten Kontakt mit der Esoterik diese unmittelbar selbstverständlich finden. Es ist nämlich so, wie Platon behauptete, daß das Wissen Wiedererinnerung ist. Alles, was wir unmittelbar auffassen, begreifen, verstehen können, haben wir in vorhergehenden Inkarnationen durch eigene Arbeit erworben. Auch Eigenschaften und Fähigkeiten, die einmal erworben worden sind, verbleiben latent, bis sie in einer neuen Inkarnation Gelegenheit bekommen, sich zu entwickeln. Das Verständnis für das Alte besteht noch, ebenso wie die Anlagen für Fähigkeiten, wofür die ansonsten unbegreifliche Erscheinung des Genies eines der vielen Beispiele ist.

Der Esoteriker wendet sich mit seinem System an die, welche Sucher geblieben sind und sich nicht mit herrschenden Systemen begnügen konnten. Ruhig erwartet er den Tag, da die Wissenschaft so viele bis dahin esoterische Tatsachen festgestellt haben wird, daß sie sich nicht mehr weigern kann, die Esoterik als die einzige wirklich haltbare Arbeitshypothese gelten zu lassen.

Der unschätzbare Wert des esoterischen Wissens liegt unter anderem darin, daß es von Aberglauben und Scheinkenntnis der Unwissenheit, von Illusionen und Fiktionen (Vorstellungen ohne Entsprechung in der Wirklichkeit) befreit, sowie eine vollständige Umwertung aller Werte des Lebens als notwendige Folge der Kenntnis vom Sinn und Ziel des Lebens mit sich bringt.

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Die esoterischen Wissensorden

Auf der Emotionalstufe braucht der Mensch einen festen Halt für das Gefühl, auf der Mentalstufe etwas Festes für den Gedanken, um nicht wie ein schwankendes Rohr im Winde zu sein, nicht wie ein Schiff auf trügerischer See, um nicht scheinbar auf bodenlosem Treibsand zu wandern. Bis jetzt ist dieses Etwas nicht in Übereinstimmung mit der Wirklichkeit gewesen.

Da die Menschheit nie auf eigene Faust Wissen um das Dasein, um dessen Sinn und Ziel, um die kosmische Wirklichkeit und das Leben erwerben kann, hat sie dieses Wissen immer geschenkt bekommen – von wem, wird später gezeigt werden.

Dies hat seine gefährlichen Seiten gehabt. Jenes Wissen, welches Macht gibt, das Wissen um Naturgesetze, Naturkräfte und deren Handhabung, ist immer für selbstsüchtige Zwecke mißbraucht worden. Und diejenigen, welche das Wissen von der Wirklichkeit nicht erfassen konnten, haben es zu allen Zeiten zu Aberglaube und Irrlehren verzerrt.

Wissen bringt die Verantwortung für seine richtige Anwendung mit sich. Mißbrauch des Wissens führt zu dessen Verlust, und auf ganze Völker bezogen, zu deren Vernichtung.

Bereits zweimal mußten ganze Kontinente in die Tiefe des Meeres versenkt werden, Lemurien und Atlantis.

Nach diesen zwei Fehlschlägen wurde beschlossen, daß das Wissen nur in geheimen Schulen vermittelt werden durfte und nur an diejenigen, welche eine solche Entwicklungsstufe erreicht hatten, daß sie richtig verstehen und nicht mißdeuten konnten, was sie erfuhren, und es durch den Dienst am Leben richtig anwenden konnten. Sie mußten lernen, richtig zu denken. Seit ungefähr 45.000 Jahren sind esoterische Wissensorden in verschiedenen Völkern gegründet worden, welche ein ausreichend hohes Niveau erreicht hatten. Da Wissen Wiedererinnerung ist, können diejenigen, welche nie Eingeweihte gewesen sind, die Richtigkeit der Esoterik nicht einsehen.

Die Wissensorden hatten mehrere Grade. Im niedrigsten Grad wurden sorgfältig ausgearbeitete Symbole mitgeteilt, welche in jedem höheren Grad auf neue Weise gedeutet werden konnten, sodaß nur die, welche den höchsten Grad erreichten, das Ganze voll verstehen konnten. Das Verfahren hatte seine heiklen Seiten, weil die, welche nicht den höchsten Grad erlangten, sich manchmal eigene und fehlerhafte Denksysteme machten.

Für diejenigen, welche in diese Orden nicht eintreten durften, wurden Religionen gestiftet entsprechend der Möglichkeit des Verstehens und dem Bedarf an Normen für zweckmäßiges Handeln bei verschiedenen Völkern.

Die rasch zunehmende allgemeine Aufklärung und die Errungenschaften der Wissenschaft machten andere Maßnahmen notwendig. Seit dem achtzehnten Jahrhundert hat sich der Kampf zwischen „Glaube und Wissen“ (was diejenigen nicht auseinanderhalten können, welche zu wissen, zu begreifen, zu verstehen glauben) ständig verschärft. (Alle sind Gläubige, denen das exakte Wissen um die Wirklichkeit fehlt, auch die, welche sagen, sie glaubten an gar nichts.) Dieser Streit begann mit der antireligiösen und antimetaphysischen Aufklärungsphilosophie und nahm während des neunzehnten Jahrhunderts mit den Fortschritten der Naturforschung mehr und mehr zu. Laplace mit Système du monde; Lamarck, Darwin, Spencer und Haeckel mit der Entwicklungslehre; Lange mit der Geschichte des Materialismus und andere überzeugten die Naturforscher, daß sie „der Hypothese einer geistigen Welt nicht bedurften“. Ihr Angriff auf ältere Lebensanschauungen führte zu einer immer mehr verwildernden Richtungslosigkeit, so daß die Menschen zuletzt „sich immer unsicherer fühlten, was Recht und was Unrecht ist. Sie sind sogar im Ungewissen darüber, inwiefern Recht und Unrecht etwas anderes als alter Aberglaube sind.“ Die Gefahr besteht, daß sich die Menschheit in ihrer Torheit selbst ausrottet.

Es wurde notwendig, mit gewissen Maßnahmen dieser Verrücktheit entgegenzuwirken, und man beschloß, den ungefährlichen Teil des esoterischen Wissens exoterisch werden zu lassen, den Teil, den zu begreifen die Menschheit nunmehr die Möglichkeit hat, wenn auch nicht seine Bedeutung zu verstehen. Die Menschheit bekam damit die Möglichkeit, sich eine vernünftige Vorstellung von der Wirklichkeit und dem Leben sowie vom Sinn und Ziel des Daseins zu machen.

Innerhalb der esoterischen Orden war Glaube nicht gestattet. Dort handelte es sich darum, zu begreifen und zu verstehen, nicht zu glauben. Im niedrigsten Grad mußten sie lernen, zwischen Glauben und Annahme zu unterscheiden. Glaube ist die absolute und verstockte Überzeugung des Gefühls, unzugänglich für Berichtigung und Vernunft. Jeder Einzelne hat sein Gläubchen an nahezu jede beliebige Absurdität. Und dies deshalb, weil dem Menschen die Möglichkeit zu wirklichem Wissen, zu etwas anderem als endgültig festgestellten Tatsachen in der sichtbaren Welt fehlt. Annahme dagegen ist etwas bis auf weiteres, bis man erfahren hat; sie ist Vernunftargumenten gegenüber zugänglich und wünscht Berichtigung. Autoritäten mögen gerne auf den verschiedenen Gebieten des Lebens gelten. Deren Annahmen stellen jedoch keine letzte Instanz für den gesunden Menschenverstand dar, welcher, obgleich für jeden Einzelnen verschieden (der synthetische Lebensinstinkt des Individuums, durch die Inkarnationen erworben), doch die höchste Vernunft ist, die zu entwickeln jeder anstreben soll.

Während der letzten zweitausend Jahre hat zwischen verschiedenen Idiologien ein unablässiger Kampf getobt, ein Kampf zwischen Theologie und Philosophie, Theologie und Wissenschaft, Philosophie und Wissenschaft.

In der Geschichte der europäischen Philosophie kommt hauptsächlich der Kampf zwischen Theologie und Philosophie zum Vorschein. In diesem Kampf hat die Theologie so gut wie immer Unterstützung durch die politischen Machthaber bekommen. Die Philosophie hat sich mit unsäglicher Mühe und Millionen von Märtyrern Schritt für Schritt zu Denkfreiheit und Redefreiheit vorkämpfen müssen, zu Toleranz und Menschlichkeit. Dieser Gewinn wird nun von der marxistischen Idiologie bedroht, welche dem Individuum verbietet, anders zu denken, als die Machthaber bestimmen. Dieses ist die neue Denktyrannei. Daß mit dieser neuen Art von Idiotisierung die mentale Entwicklung gehemmt wird, dürften auch einfache Geister einsehen können.

Mit Galilei begann der Kampf zwischen Theologie und Wissenschaft, und er dauert immer noch an.

Der Streit zwischen Philosophie und Wissenschaft ist zumindest bis auf weiteres abgeblasen worden, nachdem die Philosophen entweder definitiv Agnostiker geworden sind, die Möglichkeit leugnend, überphysische Tatsachen festzustellen, oder Antimetaphysiker, das Bestehen überphysischer Wirklichkeit leugnend.

In der Geschichte der Philosophie, die in Wirklichkeit mit den Sophisten beginnt, können wir den Versuchen der menschlichen Vernunft folgen, ohne esoterisches Wissen, mit allein dem physischen Verstand zur Verfügung, auf eigene Faust die Probleme des Daseins zu lösen.

Daß dies zum Mißlingen verurteilt war, geht aus dem Folgenden hervor. Erst in unserer Zeit hat man aber allgemein begonnen einzusehen, daß dies unmöglich ist. Der Wissenschaft fehlen die hierfür erforderlichen Wahrnehmungsorgane. Und der Wissenschaftler weigert sich, sich mit dem zu befassen, was nicht mit den Hilfsmitteln der Naturforschung erforscht werden kann. Dies ist, logisch gesehen, vollkommen gerechtfertigt.

Bei dieser Gelegenheit mag darauf hingewiesen werden, daß die indische Yogaphilosophie nicht in Übereinstimmung mit Tatsachen des esoterischen Wissens steht, sondern sich auf Fehldeutungen mancher dieser gründet. Aus der Wiedergeburt wurde eine sinnlose Seelenwanderung gemacht, sodaß die Wiedergeburt des Menschen als Tier für möglich gehalten wird, ohne Verständnis dafür, daß ein Zurückgehen in ein niedrigeres Naturreich ausgeschlossen ist. Die Evolution durch das Mineral-, Pflanzen-, Tier- und Menschenreich hört vermeintlich mit dem Aufgehen und Erlöschen des Menschen im Nirvana auf, ohne Verständnis dafür, daß Nirvana nicht das Ende, sondern der Anfang ist. Irreführend sind die indischen Deutungen von Manas, Buddhi, Nirvana, Atma, Karma, ebenso wie der absolute Subjektivismus des Advaita, welcher Wissen um die Materie- und Bewegungsaspekte des Daseins unmöglich macht.

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Beweise für die Hylozoik

Wenn die Menschen ein neues Wort hören, verliert es mehr oder minder rasch seine ursprüngliche Bedeutung. Immer glaubt man zu wissen, zu welchem Begriff das Wort gehört. Es ist vorherzusehen, daß das Wort „esoterisch“ als Bestandteil im Wortschatz der Masse gleichbedeutend mit praktisch Allem wird.

Leider besteht auch die Gefahr, daß die Esoterik in in Verruf kommt durch all den Quasiokkultismus, der sich immer mehr bemerkbar macht. Mit einer guten Nase für das, was sich lohnt, haben sich immer mehr unfähige Schreiberlinge beeilt, allerhand Unsinn zu erzeugen, denn so etwas findet reißenden Absatz, ebenso wie jede andere Schundliteratur. Mit ihrem durch allerlei Fiktionalismus verdorbenen Wirklichkeitssinn ziehen die Leute Dichtung der Wirklichkeit vor.

Es gibt auch Hellseher à la Swedenborg, welche bezeugen, was sie in der „inneren Welt“ geschaut haben. Diese sollten sich das esoterische Axiom bedenken, daß „kein selbstgelernter Seher jemals richtig sah“, weil die nächste Welt zwar scheinbar der unseren gleicht, aber doch in Wirklichkeit gänzlich anders ist. Ohne esoterisches Wissen um diese Verhältnisse wird so gut wie alles falsch aufgefaßt.

Für diejenigen, welche Beweise für die Richtigkeit der Hylozoik (d.h. deren Übereinstimmung mit der Wirklichkeit) brauchen, gibt es deren fünf, jeder für sich voll ausreichend und von unerreichbarer logischer Haltbarkeit. Diese fünf sind:

    Der logische Beweis

    Der Erklärungsbeweis

    Der Vorhersagebeweis

    Der hellseherische Beweis

    Der experimentelle Beweis

Der logische Beweis besteht darin, zu zeigen, daß die Hylozoik ein unwiderlegbares Denksystem ohne Widersprüche ist. Ein solches kann nicht vom menschlichen Intellekt oder ohne Kenntnis der Wirklichkeit konstruiert werden. Niemals kann es in Widerspruch zu Tatsachen geraten, welche von der Wissenschaft endgültig festgestellt worden sind. Alle neuen Tatsachen werden ihren Platz in dem System finden. Je weiter die Forschung vorwärtsschreitet, desto mehr wird sich die Hylozoik als die einzige haltbare Arbeitshypothese erweisen. Etwas anderes kann sie für die meisten auf der gegenwärtigen Entwicklungsstufe der Menschheit nicht werden.

Der Erklärungsbeweis: Die Hylozoik erklärt auf die einfachste, einheitlichste, allgemeinste, widerspruchsfreie und unwiderlegbare Weise tausende von ansonsten vollkommen unerklärlichen Erscheinungen.

Der Vorhersagebeweis: Es gibt bereits eine Menge Voraussagen (genügend, um einen dicken Band zu füllen) von Entdeckungen, Erfindungen und Ereignissen, die sich bereits nachweislich erfüllt haben und die nicht vom Menschen vorhersagbar sind.

Der hellseherische Beweis: Wie auch indische Rajayogis behaupten, kann jeder, der bereit ist, sich einem dafür erforderlichen Training zu unterziehen, im Menschen zurzeit noch schlummernde Anlagen entwickeln, welche einmal jeder als Fähigkeiten besitzen wird: nämlich die Möglichkeit, objektives Bewußtsein in immer höheren, gegenwärtig unsichtbaren Molekülarten oder Aggregatzuständen zu erwerben.

Der experimentelle Beweis (Magie): Dieser besteht darin, in Kenntnis diesbezüglicher Naturgesetze und der Methode ihrer Anwendungsweise mit Hilfe von physisch-ätherischen Materieenergien Veränderungen zustande zu bringen, auch in grober physischer Materie. Die Magie ist jedoch aus mehreren Gründen verboten worden. Sie wäre eine Waffe in den Händen aller potentiellen Verbrecher der Menschheit und würde sie zu allerlei Untaten verführen. Der Magier ist von den Wissenschaftlern als Betrüger abgestempelt worden, weil derartige Phänomene für unmöglich erklärt worden sind, da sie „den Naturgesetzen widersprechen“. Der Magier ist auch auf andere Weise Märtyrer geworden. Die Sensationslüsternen verlangen mehr und mehr Sensationen. Die Hilfsbedürftigen belagern ihr Opfer mit ihren Verlangen. Die Neugierigen wollen alle ihre eigenen Probleme gelöst bekommen.



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